Aktuell: Zur LMU und der Homöopathie.

Cut the nonsense
Kein weiterer Kommentar.

Den an meinem Blog Interessierten wird nicht entgangen sein, dass das Informationsnetzwerk Homöopathie und der GWUP-Wissenschaftsrat sich mit einem offenen Brief deutlich gegen die Homöopathie-Propaganda zur Wehr setzen, die an der „exzellenten“ Ludwig-Maximilians-Universität München stattfindet – konkret durch die Ankündigung einer Ringvorlesung in Zusammenarbeit mit dem DZVhÄ, die eine ganze Reihe „homöopathischer Behandlungsansätze“ für eine Reihe von -teilweise massiven- Krankheitsbildern vorstellt.

Erfreulicherweise hat dieser offene Brief ein deutliches Medienecho gefunden, wobei der Fairness halber darauf hingewiesen sei, dass als erster Dr. Werner Bartens in der Süddeutschen Zeitung auf die erneute Ankündigung einer solchen Veranstaltung an der LMU kritisch hingewiesen hat.

Nun ja. Bleibt ja gar nichts für diesen Blog. Nichts? Oh, die Deutsche Apotheker Zeitung, ein erfrischend kritisch eingestelltes Publikationsorgan, nimmt sich der Sache ebenfalls an und berichtet auch über die Stellungnahme der Pressestelle der LMU. Da sollte sich doch was zum Kommentieren finden lassen… auch unter dem Aspekt, wie verräterisch Sprache im Hinblick auf die dahinterstehende Einstellung sein kann.

Was sagt nun die Uni?

„Die Homöopathie ist eine komplementärmedizinische Behandlungsmethode, die auf dem Prinzip ‚similia similibus curentur‘ beruht“.

Bis auf den Begriff „komplementärmedizinisch“ könnte man den Satz ja als zumindest nicht falsch hinnehmen, abgesehen von seinem etwas begrenzten Informationsgehalt. Die Methode beruht ja schließlich noch auf einigen anderen Dingen. Und wieder die alte, bereits im allerersten Beitrag meines Blogs beantwortete Frage: Was um Himmels Willen ist eine „komplementärmedizinische Methode“?

„Sie wird kritisch diskutiert, da bis heute keine naturwissenschaftliche Begründung einer über einen Placebo Effekt hinausgehende Wirksamkeit belegbar ist.“

Dass die angekündigte Ringvorlesung irgendetwas mit einer kritischen Diskussion zu tun hat, erschließt sich auch dem unvoreingenommenen Betrachter keineswegs. Methodenunkritischer kann man eine universitäre Veranstaltung wohl kaum anlegen. Auch an anderer Stelle vermisst man die wirkliche methodenkritische Auseinandersetzung mit der Homöopathie, nämlich im Rahmen des Wahlpflichtfachs gleichen Namens im regulären Medizinstudium.
Und mal wieder: „Belegbar.“ Es muss heißen: „Nicht belegt“, denn „belegbar“ suggeriert lediglich, dass man sozusagen fieberhaft auf den nah bevorstehenden erlösenden Moment warte, an den das große „Heureka!“ der homöopathischen „Forschergemeinde “ ertönt. Suggestiver kann man kaum formulieren. Nämlich in die Richtung, es läge an der Wissenschaft und nicht an der Homöopathie, dass ihre Wirksamkeit „noch“ nicht „belegbar“ sei.
Noch genaueres Hinsehen aber offenbart eine rabulistische Spitzfindigkeit, die man so gar nicht erwartet hätte. Was bedeutet denn, „…keine naturwissenschaftliche Begründung einer … Wirksamkeit“ sprachlich? Genau, es postuliert mal eben so im Vorbeigehen auch noch das Vorliegen einer solchen Wirksamkeit, für das eben einfach nur noch die „naturwissenschaftliche Begründung“ fehle! So wird durch eine einfach sprachliche Wendung mal eben die Existenz der Wirksamkeit der Homöopathie vorausgesetzt, nur -leider- kenne man den Wirkungsmechanismus noch nicht… Damit wird die Homöopathie sozusagen im Vorbeigehen auf das Niveau einer ganzen Reihe von evidenzbasierten Mitteln und Methoden gehoben, die hochwirksam und im täglichen Einsatz sind, gleichwohl der Wirkungsmechanismus nicht oder nicht vollständig bekannt ist.
Ich will hier gar nicht von Unredlichkeit sprechen. Aber eine solche Formulierung sollte doch der Pressestelle einer hochangesehenen Universität eigentlich nicht ungewollt entschlüpfen.

200 Jahre kein Beleg, aber es wird „kritisch diskutiert“… seufz…

„Eine Veranstaltung zur Homöopathie anzubieten bedeutet entsprechend nicht, dass die Homöopathie in den gleichen Rang wie die evidenzbasierte Medizin erhoben wird.“

Das wollen wir ja nun wirklich nicht hoffen. Dafür gibt es andere Organisationen, Vereinigungen und Personen. Allerdings – bezogen auf die konkret kritisierte Ringveranstaltung tut die LMU geschieht genau das eben doch. Wie anders soll ich eine durchgängig unkritische „Präsentation“ von „homöopathischen Ansätzen“ in der Ringvorlesung denn sonst interpretieren? Sie ist mit dem Angebot einer Kaffeefahrt eher zu vergleichen als mit universitärer kritischer Methodenlehre.

Viele Patienten verbinden mit komplementärmedizinischen Therapien große Hoffnungen, Die klinische Medizin kann sich daher auch nicht auf eine rein naturwissenschaftliche Perspektive begrenzen.“

Jetzt wird es richtig ärgerlich. Es sollte ja wohl die Aufgabe universitärer Lehre in der Medizin sein, dem Entstehen solcher Hoffnungen und damit dem Risiko, dass sich Patienten unwirksamen und / oder schädlichen Verfahren zuwenden, in aller Deutlichkeit entgegenzuwirken. Statt dessen wird aus diesem bedauerlichen Umstand der Schluss gezogen, „die klinische Medizin könne sich daher auch nicht auf eine rein naturwissenschaftliche Perspektive begrenzen“? In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass die Ringvorlesungen jedermann, auch Nichtmatrikulierten, offenstehen – zweifellos auch Menschen, die damit erst recht zu unbegründeten Hoffnungen verleitet werden.

Ein Offenbarungseid allererster Güte. Damit sind doch alle halbherzigen Relativierungen, die sich so durch die Stellungnahme der LMU-Pressestelle ziehen, komplett vom Tisch gefegt. Auch die Behauptung, man setze sich „kritisch“ mit Komplementärmedizin (ich hasse dieses Wort…) auseinander. Denn die kritische Auseinandersetzung gehört zweifellos zur naturwissenschaftlichen Perspektive – die man ja gern entgrenzen möchte.
Löst Hogwarts an der Isar jetzt Hogwarts an der Oder ab?

„Komplementärmedizinische Themen seien im Medizinstudium verankert und damit prüfungsrelevant für das Staatsexamen…“

…in der Form, wie sie hier propagiert und verteidigt werden, schlimm genug…

„… zudem müssen die Absolventen im klinischen Alltag diskussionsfähig sein auch hinsichtlich umstrittener Heilverfahren.“

Dem stimme ich aus ganzem Herzen zu, das ist auch eine zentrale Forderung des offenen Briefes von INH und GWUP. Nur wie die LMU das mit ihrer auch in der Pressemitteilung deutlich werdenden durchweg unkritischen Haltung zur Homöopathie leisten will, bleibt eines der großen Geheimnisse dieses Universums. Da bedürfte es sicher erst einmal einer Neujustierung.

„Wenn am Klinikum der LMU komplementärmedizinische Behandlungsmethoden zum Einsatz kommen, werden sie immer nur in Ergänzung evidenzbasierter Methoden angewendet – niemals an deren Stelle.“

Ah ja. Und welche belastbaren Schlüsse hinsichtlich der Wirksamkeit der Homöopathie will man ziehen, wenn sie ergänzend zu evidenzbasierten Methoden eingesetzt wird? Daran ist bis jetzt noch jede Studie gescheitert, die sich daran versucht hat (z.B. die Sepsis-Studie von Prof. Frass, Wien).
Ganz abgesehen von der Kleinigkeit, dass kaum etwas frasser… äh, krasser der Hahnemannschen Lehre widerspricht als eine parallele -ach, sagen wir ruhig mal komplementäre- Behandlung mit Homöopathie und evidenzbasierter Medizin. Das kann man auf diesem Blog beispielsweise hier schon eine ganze Weile nachlesen.

„Ziel eines Pilotprojektes ‚Integrative Pädiatrie‘ am Dr. von Haunerschen Kinderspital ist es, die wissenschaftstheoretischen Grundlagen zu erörtern und klinische Studien zu initiieren. Dies entspricht unserem akademischen Auftrag, die Phänomene der Natur und der Medizin einer kritischen Betrachtung zu unterziehen.“

Ah ja. Was soll man jetzt dazu sagen. Schon 2015 hat das Laborjournal recherchiert, dass nach 20-jährigem Pilotprojekt (…) keine einzige wissenschaftliche Studie aus den homöopathischen Bemühungen am von Haunerschen Kinderspital hervorgegangen ist. Von einer Erörterung der wissenschaftlichen Grundlagen der Methode ist mir auch nichts bekannt. Wie auch. Sie hat keine wissenschaftlichen Grundlagen.
Einen speziellen Kommentar zum allerletzten Satz erspare ich mir.

Was für eine schwache Vorstellung. Da bleibt nur noch ein Zitat des guten alten Louis Pasteur : „Die größte Störung des Geistes ist, an etwas zu glauben, weil man will, dass es so sei.“

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Bitte beachten: Neuer Menüpunkt oben im Hauptmenü: Das Informationsnetzwerk Homöopathie hat seinen kleinen Shop eröffnet!

Bildnachweis: Fotolia_117661345_XS


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