Was wäre wenn…

Was wre wenn - wach auf

Wenn die Wirkungszunahme durch Potenzierung wahr wäre…

… dann würde eine Plörre aus viel Wasser und dem restlichen Kaffemehl aus der Dose weitaus anregender wirken als ein doppelter Espresso (ja, ja, meinetwegen auch mit Schütteln oder Schlagen des Filters auf einen Lederbuchrücken).

 

Wenn das Simileprinzip (Ähnliches heilt Ähnliches) zuträfe…

… dann müsste man akute Vergiftungen mit noch mehr Gift heilen können.

 

Wenn die Arzneimittelprüfung am Gesunden eine funktionierende Methode wäre…

… dann müsste es Mittel geben, die im Rahmen der Arzneimittelprüfung auch Dinge wie Tumorerkrankungen, Diabetes, endokrinologische Fehlfunktionen, aber auch Dinge wie Platzwunden und Infektionen durch die Einnahme von potenzierten Prüfstoffen hervorrufen würden. Nebenbei, würde man solche Arzneimittelprüfungen wirklich durchführen wollen?

 

Wenn die Homöopathen die erklärte Absicht Hahnemanns, eine Arzneimittellehre zur Behandlung von Krankheiten zu schaffen, ernst nehmen würden… 

… dann würden sie nicht Dinge wie homöopathische Prophylaxe und Nosoden“impfung“ praktizieren.

 

Wenn die Homöopathen das Prinzip einer Korrektur der verstimmten geistigen Lebenskraft des Patienten durch die geistige Kraft der potenzierten Mittel ernst nehmen würden…

… dann würden sie mit den krampfhaften Bemühungen aufhören, per „homöopathischer Grundlagenforschung“ doch irgendwie noch einen materiellen Wirkungsnachweis zu erbringen.

 

Wenn die Homöopathen die Forderungen Hahnemanns zur Arzneimittelprüfung (die genaueste Erfassung aller Symptome -bei der Arzneimittelprüfung- bzw. aller Befindlichkeiten des Patienten -bei der Therapiefindung- ernst nehmen würden…

… dann gäbe es so einen Unsinn wie Tierhomöopathie gar nicht.

 

Wenn die Homöopathie eine „ganzheitliche Methode“ wäre…

… dann würden die Homöopathen nicht ausschließlich mit Symptombildern anstelle von Krankheiten arbeiten, sondern sich mit dem Krankheitsbegriff und mit Ätiologie beschäftigen.

 

Wenn Symptome ein untrügliches Zeichen für eine bestimmte Erkrankung wären…

… dann wäre die Symptomatik einer Erkrankung völlig unabhängig vom Patienten, seinem Allgemeinzustand und seiner Vorgeschichte, was jeglicher medizinischer Erfahrung widerspricht. Einerseits wären Differenzialdiagnosen überflüssig, andererseits könnte man keine zwei Erkrankungen unterscheiden, die in bestimmten Stadien gleiche Symptome zeigen, aber unterschiedliche Behandlung erfordern.

 

Wenn die Homöopathie „Naturmedizin“ wäre…

… dann würde sie nicht Stoffen wie Graphit, Schwefel, Plutonium, Berliner Mauer, Arsen, Blei und Chlor „Heilkräfte“ zuschreiben.

 

Wenn die Homöopathen hinsichtlich ihrer wirtschaftlichen Interessen ehrlich wären…

… dann würden sie selbst nicht so tun, als gehe es um den ultimativen Überlebenskampf gegenüber Big Pharma, deren Teil sie selbst sind.

 

Wenn homöopathisch überzeugte studierte Ärzte selbstkritischer wären…

… würden sie die Unvereinbarkeit der homöopathischen und der wissenschaftlich-evidenzbasierten Methode erkennen und die eine oder eben die andere Konsequenz ziehen.

 

Wenn die Homöopathieszene kritik- und diskursfähig wäre…

… das Leben könnte so schön sein. Ach ja.

 

Wird gelegentlich fortgesetzt.

 

 

 

Bildnachweis: Fotolia_89574300_XS

 

 

 

 

 

 

 


4 Gedanken zu “Was wäre wenn…

  1. Gelungene “wenn-dann“-Aufstellung! Soll ja bei manchen psychischen Krankheiten/Syndromen als Motivations- bzw. Visualisierungskrücke hilfreich sein (kenne ich persönlich aus einem ADHS-Selbsthilferatgeber).

    Ich stolpere nur stets über den Punkt “Kritikfähigkeit“.

    Da würde ich noch einen Schritt weiter gehen:

    Ich wünsche mir, dass diese Szene Einsicht bzw. “Mut“ zeigt zuzugeben, aus wissenschaftlich seriösem Blickwinkel einer völligen Fehlthese aufgesessen zu sein.
    Anschließend diese Praktiken aus der Schublade (Alternativ-)“Medizin“ in die Schublade “Religion“ (oder irgendwas mit “glauben, was mit den Gesetzen der Biologie, Chemie und Physik nicht nachvollziehbar bewiesen werden kann“ ergo Parawissenschaft) steckt.

    Oder noch einen Schritt weiter, die (vermutlich niemals eintreffenden) Geständnisse von den Mächten bzw. hochrrangigen Drahtziehern der Pfuschereilobby und Verschwurbelungskünstlern aus Hogwarts an der Oder, sich pysikalische, chemische und biologische Gesetze bewusst so zu verdreht und sich passend gebastelt zu haben, dass es sich nur um Vorsatz zum Zwecke der Gewinnsteigerung handeln muss. Also ein Fall für die Justiz (arglistige Täuschung).

    Jede andere Annahme wäre ein Fall für die Psychatrie oder für die Gründung einer neuen Sekte (schwierige Entscheidung….).

    Ach, wenn das Wörtchen “wenn“ nicht wär’…..

    Jedenfalls wieder einmal herzlichen Dank für Ihren unermüdlichen Einsatz!

    Gefällt 1 Person

    1. Die Frage der wirklichen Geisteshaltung und/oder Motivation der Homöopathie-Proponenten und ihrer Lobbyisten bewegt mich sozusagen pausenlos. Natürlich stehen wir hier vor einer Rationalitätsverweigerung größten Ausmaßes, zudem einer mit zweihundertjähriger Tradition…
      Irgendwann werde ich auch hierauf einmal näher eingehen. Es ist nicht einfach, auch nicht einfach auf die bekannte Formel „dumm oder frech“ reduzierbar. Einige Beiträge auf meinem Blog befassen sich ja schon am Rande damit, wenn sie einige Aspekte der Geschichte der Homöopathie anführen oder die Geschichte von „Homöopathie und die Wikipedia“ erzählen.

      Wie praktisch vorgehen? Einer meiner Lieblingsansätze ist das Aufdecken von Widersprüchen, am besten derer, die sich aus dem System Homöopathie selbst ergeben. Eine Abart der sokratischen Methode sozusagen. Ansonsten muss man natürlich sehr genau unterscheiden, nämlich zwischen der Konsumentenzielgruppe, die bekanntlich über sehr wenig wirkliche Information verfügt, und denjenigen, die für diesen Informationsmangel verantwortlich sind. Wobei der größte aller Skandale ist, dass die offizielle Gesundheitspolitik auch noch den Schutzschild für Pseudomedizin abgibt. Da sind dicke Bretter zu bohren.

      Den allerwichtigsten Ansatz verfolgt das Informationsnetzwerk Homöopathie: Sachlich und unaufgeregt in erster Linie Konsumentenaufklärung zu betreiben. Wenn es gelingt, beim bislang uninformierten Konsumenten ein Aha-Erlebnis zu erzeugen, dann ist das -wie ich aus Erfahrung sagen kann- manchmal sehr durchschlagend. Man muss eben nur so viel Öffentlichkeit und Aufmerksamkeit erlangen, dass der Homöopathiepropaganda auch wirksam entgegengewirkt werden kann. Da gibt es Fortschritte…

      Danke für den Kommentar!

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    1. Ja, das haben wir schnell mitbekommen. Der Doktor ist ja Unterstützer des INH. Jetzt geht es ja komplett durch den Blätterwald. Fragt sich nur, welche Schlüsse die Leute daraus ziehen… Vielleicht, dass man wirklich nur einen Globulus ins Ohr stecken darf?
      Für mich ist dieser Vorfall in erster Linie ein Argument dagegen, dass die Politik ihre Untätigkeit gegen Pseudomedizin immer so gern hinter dem „mündigen Patienten“ versteckt.

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