Wakefield nochmal: Wie sieht’s aus?

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Martin Luther King Jr.

„Den Umständen entsprechend“ ganz gut sieht es aus. Soweit zu erfahren war, erfreute sich die Veranstaltung im Salle Lumen in Brüssel eines gewissen internen Interesses. Um das mal so auszudrücken. Jedenfalls hat Wakefield sein Ziel, sich das EU-Parlament oder seine Institutionen dienstbar zu machen, offensichtlich um 100 Prozent verfehlt.

Proteste hagelte es von allen Seiten. Die britischen Abgeordneten, die bestens mit der Wakefield-Story vertraut sind, waren sehr aktiv, ebenso die britische Wissenschaftsgemeinde. Der Präsident des Jenner-Instituts hat an den Fraktionsvorsitz der EU-Grünen geschrieben und nicht mit deutlichen Worten gespart. Irgendeinen bedeutungsvollen Pressebericht konnte ich ebenfalls nirgendwo finden, die Phalanx der Journalisten weiß offenbar wirklich längst, was sie von ihrem Wakefield zu halten hat.

Innerhalb der EU-Parlamentsgemeinschaft gab es viele Aufrufe, um Himmels Willen nicht an dieser Veranstaltung teilzunehmen, was offensichtlich Wirkung gezeigt hat. Stellvertretend hier der mir zugänglich gemachte Rundbrief des österreichischen EU-Abgeordneten Heinz Becker (ÖVP):

Dear friends and colleagues,

On invitation of MEP Michèle Rivasi Mr Wakefield will show his film Vaxxed in the European Parliament tomorrow morning. Mr Wakefield became infamous in the United Kingdom by publishing his flawed and misconducted study on the asserted relation between vaccination and autism in 1998 and is now prohibited from practicing medicine in the United Kingdom.

I urgently ask you to not take part this irresponsible campaign in order to avoid millions of deaths due to severe diseases!

All international reliable researchers confirm that vaccination is safe and one of the greatest health developments of the last century. Vaccines interact with the immune system to produce an immune response similar to that produced by the natural infecting. They do not cause the disease or put the immunized person at risk. In contrast, getting immunity through natural infection might be serious illnesses or even death. A gigantic number of deadly can now be prevented and hence, millions of children’s lives are saved.

Let me give some few examples:

  1. Smallpox ravaged and killed thousands of people in Europe in the 18th The survivors were left scarred or blinded. Thanks to vaccination it was officially wiped out in 1980. If it were still common, it would cause approx. 2 million deaths every year.
  2. Polio, incurable and deadly, has been eradicated from many parts of the world because of vaccination.
  3. Diphtheria led to more than 60,000 infections and 3,283 deaths in the UK in 1940. Blanket coverage of vaccinations almost eliminated the disease.

Today’s rareness of these diseases should not lead to an underestimation of the importance of vaccination for children nowadays. The infectious agents are still circulating in some parts of the world and can still infect anyone who is not protected. If children are not vaccinated the illness can return with vengeance.

The reactions to vaccinations are usually minor and temporary. Serious health events are extremely rare and are carefully monitored and investigated. Any serious injury or death caused by vaccines is one too many, but, the benefits of vaccination greatly outweigh the risk and many more injuries and deaths would occur without vaccines.

Let me therefore conclude by emphasising two key reasons to get vaccinated – to protect ourselves and to protect those around us. Successful vaccination programs depend on the cooperation of every individual to ensure the good for all.

I thank you for taking my wish into consideration NOT to participate in this event!

With kind regards,

Heinz K. Becker
Member of the European Parliament
_________________________________________________

Na, wenn das nichts ist?

Was die Abgeordnete Rivasi angeht: Auch sie persönlich wurde von vielen Protestlern um eine Stellungnahme gebeten. Alle berichten, dass sie niemals eine Antwort bekommen hätten. Mme Rivasi hat sich völlig eingemauert, wie es aussieht. Dass ich mit der Bitte, doch einmal die Scheuklappen abzulegen und die Fakten zur Kenntnis zu nehmen, sofort gelöscht und gesperrt worden war, hatte ich ja schon berichtet.

Übrigens -wie die Londoner Times berichtet, ist der Folgetermin, der für kommenden Dienstag (14.2.) in London geplant war, geplatzt. Nach heftigsten Protesten hat der einzige Kinobetreiber, der eine „private Vorführung“ angekündigt hatte, einen Rückzieher gemacht. Offenbar ist Europa nach wie vor doch ein schlechtes Pflaster für Wakefield und seine Entourage. Dass er sich überhaupt traut, in England zu erscheinen, ist kaum zu begreifen. Naja, eigentlich, dass er sich überhaupt traut, öffentlich aufzutreten.

Was ihn nicht ungefährlich macht – er wird sich ohne jeden Zweifel jetzt an den US-Präsidenten halten. Was sich ja auch daran zeigt, dass er schon Vorträge für den Herbst über Veränderungen in der US-Impfpolitik ankündigt.

Also: Alle wachsam bleiben. Schließlich haben wir hier bei uns in Deutschland gerade genug Propagandisten, die Impfgegnerunsinn verbreiten und auch ein offenbar geneigtes Publikum, die jeden Unsinn in dieser Richtung aufnehmen wie ein Schwamm. Das Thema bleibt selbstverständlich auf der Agenda.

Ich danke allen, die sich in Sachen Wakefield engagiert haben, noch einmal ganz herzlich.

 

 

Bildnachweis: dreamstime_xs_45325068

 

4 Gedanken zu “Wakefield nochmal: Wie sieht’s aus?

  1. Eine gute Nachricht für Europa, ein schlechte für die USA. Aber vielleicht ist POTUS Trump dann so sehr mit Twitter, Ivanka und Gerichtsprozessen überlastet, dass er für einen Wakefield kein Zeit mehr hat und ihn unter ferner liefen einsortiert.

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    • Das kann natürlich gut passieren. Zudem steht die medizinische Gemeinde in den USA wohl längst in den Startlöchern, sie hat ja schon allein auf die Tatsache hin, dass Wakefield bei der Inauguration gesichtet wurde, einen ziemlichen Shitstorm ausgelöst.
      Womöglich kommt es zu einer Art Showdown.

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  2. Es geht aber nicht nur um Wakefield allein. Es gibt ja Impfgegnerorganisationen mit viel Geld in der USA, die „wissenschaftliche“ Forschung hoch sponsern. Beispielsweise die Dwoskin Family Foundation. Die hat sogar ein eigenes Forschungsinstitut CMRSI gegründet. Ein kurzer Überblick auf deren HP offenbart, dass es sich um hard-core Impfgegner handelt.

    http://www.cmsri.org/.

    CMRSI fördert massiv zB den Impfgegner und Aluminium-Experten Chris Exley – von dort stammt der Aluminium-Hype um die angebliche Toxizität von Aluminium als Adjuvans.
    Das Problem ist auch ein ethisches bzw die „good“ scientific practice. Während normale Wissenschaftler stets in Publikationen einen conflict of interest angeben müssen, ob ihre Forschungsergebnisse beispielsweise durch finanzielle Interessen beinflüssbar seine (das geht bis hin, ob jemand in der Familie Aktien eines Impfstoffherstellers besitzt). Exley braucht das nicht , Für ihn reicht es zu schreiben „The autors declare that they have no competing interests. Im Acknoledgement wird dann angegeben „the research is supported by the by an Acorn award (CMRSI/Keele University).
    Und das passiert recht regelmäßig in Exleys Publikationen . zB hier

    http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0946672X16303777

    und das ist einfach schlechte Wissenschaft. Man könnte natürlich diskutieren, ob sowas strafbar ist? Gescheit ist es aber sicher nicht.

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    • Es gibt sogar eine Vereinigung der Impfgegner innerhalb der Republikanischen Partei. CMRSI ist ja der Bernardine-Healy-Gedächtnisclub, mit einigen anderen zusammen. Teilweise äußerst finanzmächtige Organisationen, wobei mich immer die Frage umtreibt, wie jemand auf die Idee kommen kann, derartige Vermögenswerte in geistige Verirrungen zu investieren… Insgesamt ist die amerikanische Ärzteschaft aber doch ein Bollwerk der Impfbefürwortung. Noch.

      Wakefield ist natürlich nach wie vor der Hauptproponent und als solcher berechtigte Zielscheibe, wenn er sich als Ziel anbietet.

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