Warum ich Front gegen Impfgegner mache

Meine Motivation, mich gegen die unsägliche Impfgegnerszene zur Wehr zu setzen, kommt aus zwei Aspekten.

Einmal aus der für mich fast unerträglichen intellektuellen Zumutung durch die ständige Faktenleugnung, die mit dem Impfgegnertum verbunden ist. Die sich, wie wir gerade in jüngster Zeit sehen, bis ins geradezu Kriminelle steigern kann.

Dazu dieser Beitrag hier:

Der zweite Aspekt ist die persönliche Betroffenheit aufgrund meiner „frühen Geburt“ Anfang der 50er Jahre. Ich hatte zwei Schulfreunde, die an Polio erkrankten. Einer verstarb in der Eisernen Lunge, der andere kam mit schweren Behinderungen nach zwei Jahren aus dem Klinikum zurück. Er starb 2013 an den Folgen seiner Polioerkrankung mit 59 Jahren, viel zu früh.

Einer meiner geschätzten früheren Chefs war schwerstbehindert aufgrund einer im Kindesalter durchgemachten Polioinfektion. Auch er hat seine Lebenskraft durch den Kampf mit der Behinderung frühzeitig verschlissen.

Ein Mädchen aus meiner ersten Volksschulklasse war plötzlich verschwunden. Niemand klärte uns Kinder damals auf. Niemand traute sich auch, zu fragen. Viele Jahre später erfuhr ich dann, dass sie aufgrund einer Maserninfektion an einer damals praktisch nicht behandelbaren Meningitis verstorben war. Mit sieben Jahren. Sie war ungeimpft, ob es Gründe dafür gab, habe ich nicht in Erfahrung bringen können.

Es ist mir noch mehr als deutlich in Erinnerung, weniger bei uns im Kindergartenalter, aber welche Angst vor Polio damals noch bei den Eltern herrschte.Die Einführung der Polioimpfung war für uns damals eine Erlösung, wie man sie sich heute -leider- überhaupt nicht mehr vorstellen kann.

Angesichts dessen versetzt mich die arrogante und ignorante Impfgegnerschaft, die immer weitere Kreise zu ziehen scheint, wirklich in einen Zustand, den man schon als Wut bezeichnen könnte. Besonders bei Leuten, die damit auch noch Geschäfte machen und sich als grundehrliche Aufklärer gebärden, wo sie doch nur schäbigste Verschwörungstheorien zum Besten geben.

Denen sei dieses Video gewidmet, das ich sehr empfehle, wenn einmal eine ruhige halbe Stunde übrig ist:


21 Gedanken zu “Warum ich Front gegen Impfgegner mache

  1. Vielen herzlichen Dank lieber Udo für diesen doch sehr persönlichen Beitrag!

    Gerade diese persönlichen Geschichten sind ein sehr kraftvoller Antrieb zu kämpfen. Der Filmbeitrag ist auch auf persönliche Erzählungen zugeschnitten, was ich aber sehr gut finde.

    Mein Vater (*1938) ist noch während des Krieges an Diphterie erkrankt (große Diphterieepidemie 1942-1945 mit tausenden Toten). Auf dem Land und zu dieser Zeit hatte er damals mehr als Glück gehabt, das Ganze zu überleben.

    Meine Eltern, beide mit der klassischen Pockenimpfnarbe am Oberarm, waren überzeugt, dass Impfungen Leben retten.

    Ich selber hatte erst mit 19 die Windpocken (eine Impfung gab es damals noch nicht) und konnte 4 Wochen nicht zur Schule gehen (13. Klasse, Spitzentiming!). Mir ging es schlichtweg richtig schlecht! Der Film hat für mich diesbezüglich noch eine wichtige Info geliefert, die mir noch kein Hausarzt beantworten konnte: in extrem großen Stress-Zeiten habe ich 5 Mal bisher in meinem Leben eine eigenartige, extrem schmerzhafte Blase am Handgelenk bekommen. Ähnelte eine Brandblase, nässte und hat jeweils eine Narbe hinterlassen. Lösung: Herpes Zoster dank der Windpocken damals.

    Wir haben unsere Kinder daher bedenkenlos mit allen empfohlenen Impfungen behandeln lassen. Bei unseren Zwillingsmädels kam 2008 gerade frisch die Rotaviren-Impfung auf den Markt. Die habe ich auch umgehend organisiert (war so neu, dass man in Vorleistung treten und sich das Geld von der Krankenkasse wieder erstatten lassen musste). Unser Sohn (*2005) war nämlich mit gerade einmal 10 Monaten an einem aggressiven Magen-Darm-Virus erkrankt, dass wir 1 Woche im Krankenhaus verbringen mussten (Dehydration geht ja leider fix bei den Kids). Also ein guter Grund, genau DEM wenigstens etwas entgegenzusetzen (ich weiß, dass es noch zahlreiche andere Viren gibt, die einem hier das Leben erschweren können).

    Ich selber habe mich vor ein paar Jahren nochmal in Sachen Masern nachimpfen lassen, da ich als Mitte 70ìger Kind nach den damaligen Richtlinien nur 1 Mal dagegen geimpft wurde, was dann zu wenig war wie man den Medien entnehmen konnte. Gut, das war dann gleich eine Kombiimpfung MMR, aber passt schon!

    Aber Deine Geschichte, Udo, zeigt, dass nicht alles glimpflich verläuft – nein, wirklich nicht! Und da frage ich mich schon, was radikale Impfgegner wirklich antreibt. Wenn man alle erfundenen, aufgebauschten, mit falschen kausalen Zusammenhängen formulierten Geschichten rund um vermeintliche Impfschäden eliminieren könnte…..und dann die noch verbliebene Anzahl der Toten und Schwergeschädigten von durch Impfung vermeidbaren Krankheiten gegenüberstellt, wäre das Bild so glasklar: Impfungen retten Leben!

    Sicherlich gab es historisch schon problembehaftetere Impfstoffe und Änderung der genauen Impfreihenfolge etc., aber die Aussage ist und bleib und kann nicht oft genug wiederholt werden: Impfungen retten Leben!

    Und wegen des immer wieder aus der Verschwörungskiste entnommenen Arguments, dass die böse Pharmaindustrie an den Impfungen ja nur eine goldene Nase verdient, der möge sich bitte einmal dieses umfangreiche Werk aufmerksam durchlesen und seine Meinung diesbezüglich revidieren:

    https://portal.dimdi.de/de/hta/hta_berichte/hta138_bericht_de.pdf

    Jetzt aber Gute Nacht!

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  2. Eigentlich traurig, dass man in der aktuellen Zeit erklären muss warum man gegen Impfgegner&Co vor geht.

    Tragisch ist auch, dass hier Entscheidungen getroffen werden, die nicht für die Impfgegner sondern für deren Kinder entscheident sind.

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    1. In der Tat. Nun ist ja leider die Impfgegnerschaft keine vernachlässigbare Randerscheinung mehr. Die Schützungen des Anteils in der Bevölkerung schwanken immerhin zwischen 15 und 25 Prozent. Dabei stellt sie ja nur einen Teil der Irrationalität dar, die wir hier unter dem Begriff der Pseudomedizin zu bekämpfen versuchen. Offenbar aber einen Teil, der die Fraktionen von Heilpraktikern, Homöopathen und Co. vielfach vereinigt.

      Übrigens waren gestern abend von der gerade erst gestarteten VAXXED-Facebookseite alle Ankündigungen verschwunden, auch die PDF-Übersicht der geplanten Vorführungen war nicht mehr aufrufbar.

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      1. 15 bis 25 Prozent Impfgegner kommt mir doch recht viel vor, zumindest die Impfquoten bei Kindern liegen doch höher? Hast du da Daten zu?
        Ich habe bei der harten Fraktion eher 3-5 Prozent im Kopf.
        Eine deutlich größere Gruppe ist ängstlich oder misstrauisch und impft nicht alles und oft auch später als empfohlen. Das führt natürlich zu zeitweisen Impflücken und ist keineswegs harmlos, ist aber doch was anderes als die komplette Ablehnung. Zumindest einige davon wären mit guter Aufklärung noch leicht erreichbar.

        Aber die größte Gruppe sind zumindest bei den Erwachsenen wohl die, die sich einfach nicht kümmern und bei denen auch die Hausärzte nicht auf Zack sind bzw. die (weil jung und gesund) kaum zum Arzt gehen. Ich bin nie nach meinem Impfstatus gefragt worden und habe dadurch zeitweilig die Tetanusauffrischung verschlurt. Von der Empfehlung, auch Keuchhusten aufzufrischen habe ich auch lange nichts gehört und ich habe erst vor zwei Jahren festgestellt, dass ich aus unklaren Gründen gar nicht gegen Masern geimpft war (bin aus den 70ern, ansonsten war ich soweit durch geimpft).

        Versteh mich nicht falsch, ich sehe das Problem durchaus, aber ich glaube die Gruppe der nicht ausreichend Geimpften ist relativ heterogen.

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  3. Meine Mutter hatte Polio in einer recht schweren Form. 1938 geboren, bekam sie mit vier Jahren die Krankheit. Ich mache es kurz: Ein ganzes Leben lang stärkste Schmerzen im ganzen Körper und große Einschränkungen der Bewegungsfreiheit.

    Bei ihr war es Schicksal, weil es die Imfung damals noch nicht gab. Kinder, die heute von dieser fiesen Krankheit getroffen werden, sind entweder die Opfer ein verfehlten Politik oder verblendeter Eltern.

    Ich bin mir sicher, dass in der Zukunft, sollte ein Kind erfahren, dass die eigene körperliche Behinderung eine Folge einer Krankheit ist, welche durch Impfen hätte verhindert werden können, das Kind die eigenen Eltern wegen schwerer Körperverletzung verklagen wird.

    Vielleicht sind die fehlenden Beispiele auch ein Grund dafür, dass diese Anti-Impf-Idiotie so sehr blüht. Früher, als die Krankheiten, gegen die heute geimpft wird, noch öfter mal bei den Familien „vorbeischauten“ und ihren Tribut einfach mitnahmen, wäre die Bereitschaft zum impfen wohl um ein Vielfaches größer gewesen.

    Vielleicht braucht es doch erst eine Epidemie, damit diese Leute von der Realität aus ihren Wolkenkuckkucksheimen herausgeschüttelt werden. Leider werden die Opfer mal wieder nicht diejenigen sein, welche das Desaster herbeigeführt haben.

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      1. In Berlin gibt es eine aktuelle Ansteckungswelle, die von einem infizierten Baby auf eine Reihe Ungeimpfter überging. Das sind Vorboten größerer Probleme.
        Aber warum zum Kuckuck ist die Impfgegnerszene derart groß geworden und jeder hält sich für einen Fachmann?

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      2. Als gebürtige Frankfurterin hielt und halte ich es für das oberste Gebot bis “ins letzte Essgefach“ durchgeimpft zu sein. Stichwort: größter Flughafen Deutschlands. Da ist es doch klar, dass dort täglich Virenfasching jedweder Couleur gefeiert wird bei zig unterschiedlichen Nationalitäten, die von A nach B und C etc. fliegen.

        Die ein oder anderen Kommentare sind so intelligenzbefreit, dass man sich wundert, wie der- oder diejenige nur den On-Button des Notebooks gefunden hat (Zitat “warum haben denn die Geimpften so Angst, wenn die Impfung angeblich hilft?“ da frage ich mich mal auf hessisch HÄÄÄ???).
        Ganz übel der Kommentar mit der Mutter aus Österreich einer angeblich wegen Impfung verstorben Tochter und einer Dame, die von einem Klageverfahren wg. angeblichen Impfschadens schreibt. Es gab wohl tatsächlich ein nach HPV-Impfung verstorbenes 19-jähriges Mädel dort, aber es konnte kein Zusammenhang zw. Impfung und Tod hergestellt werden. Aber das ist bei der Hexenjagd im Mittelalter auch irrelevant gewesen, der Schuldige ist dort von vornherein klar. Da hat die Impfgegnerschaft in Österreich schon solche Blüten getrieben, dass man nur noch weinen möchte. Und nun wird in Deutschland weitergepestet mit solchen “alternativen Wahrheiten“. Mittelalter, tiefstes Mittelalter, leider mit Internetzugang für den Mob.

        Ich sollte langsam den Bau eines Bunkers in Betracht ziehen….

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  4. Vielen Dank für diesen persönlichen Post!
    Ich bin ’77 in der damaligen DDR geboren und habe dank Impfpflicht auch alle damals verfügbaren Impfungen bekommen. Da gab es einfach keine Diskussion darüber. Aus irgendeinem Grund habe ich mir dennoch Mumps eingefangen und ich kann euch sagen, das war kein Spaß! Damals war das mein erster KH-aufenthalt mit 3 oder 4 Jahren inkl. OP. Windpocken hatte ich leider auch, mit Spätfolge Herpes zoster mit Ende 20.
    Ganz ehrlich, ich hätte auf all das sehr gerne verzichtet und sehe es nicht ein, meine drei und andere Kinder dem auszusetzen. Impfungen pieksen kurz, es gibt ein bisschen Knatsch und vielleicht erhöhte Temperatur und die Kinder sind geschützt! Es gibt genug anderes, was sie sich einfangen können 😉

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  5. Ich hab zwei Patienten an SSPE (subakut sklerosierende Panenezephalitis – eine tödliche Masernspätkomplikation) verloren. Jetzt mal unabhängig vom Leid der Familie- Patient Zwei wurde mit 17 Jahren diagnostiziert und hat dann mindestens 5 Jhr auf einer Wachkomastation verbracht- da hatte ich den letzten Kontakt mit ihm.

    Und ich müßte miterleben, wie Kinder an Influenza, Windpocken, Meningokokken-Infektionen verstorben sind.

    Eine liebe Kollegin ca 553 Jhr alt verheiratet, 3 schulpflichtige Kinder) hat am Sonntag aus dem Liquor eines Kindes eine Meningokokken C Infektion diagnostiziert. Dabei offensichtlich ein infektiöses Aerosol produziert. Am Do drauf hat sie verwirrt gesprochen- sofortiger Transfer auf Intensivstation (Gatte war Intensivmediziner)- am Fr früh ist sie gestorben. Men C Infektion. Impfstoff gabs damals schon.

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  6. Danke für eure Kommentare. Manchmal zerreißt es einem das Herz.

    Welcher Mediziner, zumal auch der älteren Generation, kennt keine tragischen Fälle von impfpräventablen Krankheiten… Und da gehen diese Impfgegner hin und stellen einfach die Behauptung in den Raum, dass es sooooooo viele Fälle von Impfschäden gebe… Es gibt schändliche Seiten im Internet, die sich als Anwälte von Impfopfern aufspielen und dort teilweise schlimme Fälle reportieren – die aber nie Impfschäden waren und sind. Ich habe mich auch mit solchen schon angelegt und die auf die Impfschädenreports des RKI verwiesen. Antwort natürlich: Alles Lügen der Regierung.
    Ich frage mich auch, was solche Leute eigentlich antreibt. Nur der Hang zur Besserwisserei?

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    1. Was die Leute antreibt? Vermutlich das, was alle anderen Verschwörungsgläubige bewegt: Der Bedarf nach einfachen Antworten auf komplexe Fragen. Huh, da habe ich selbst ein komplexes Problem sehr einfach erklärt. Während ich mich also verhalten auf die Schulter klopfe, schon mal eine Buchempfehlung, falls Dir nicht bekannt: Thomas Grüter „Freimaurer, Illuminaten und andere Verschwörer: Wie Verschwörungstheorien funktionieren“ – erschienen 2008, heute aktueller denn je. Dr. Grüter ist auch mal auf Planet Wissen kurz zu hören/sehen – da wird schnell mal eben eine Verschwörungstheorie konstruiert.

      http://www.planet-wissen.de/gesellschaft/psychologie/verschwoerungstheorien/index.html

      viele Grüße

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  7. „Sie war ungeimpft, ob es Gründe dafür gab, habe ich nicht in Erfahrung bringen können.“ -> Wenn du Anfang der 50er geboren wurdest, gibt es dafür einen ganz einfachen Grund: Der Masernimpfstoff wurde erst 1961 in den USA zugelassen und war erst ab 1970 (DDR) bzw. 1973 (BRD) hierzulande verfügbar.

    Der Schriftsteller Roald Dahl hat übrigens in den 60er Jahren seine kleine Tochter OIivia an eine Masernenzephalitis verloren. Die Familie war gerade aus den USA zurück gekehrt, sie wussten um den neuen Impfstoff, konnten ihn aber noch nicht bekommen, weil er in England noch nicht verfügbar war (und der erste Impfstoff war auch noch nicht so zuverlässig wie der heutige). Roald Dahl hat 1986 die Geschichte aufgeschrieben, um gegen die auch damals schon eifrigen Impfgegner anzuschreiben.

    Und Impfgegner gab es zwar von Anfang an (wobei die Pockenimpfung ja tatsächlich sehr gefährlich war), die träge Masse, die sich einfach nicht darum kümmert oder erst einmal abwartet, hat wahrscheinlich immer schon die größte Gruppe der Ungeimpften dargestellt und dürfte es auch heute noch sein. Deswegen dauert es nach Einführung eines Impfstoffs noch eine ganze Weile bis sich nennenswerte Teile der Bevölkerung impfen lassen. Die offensive Werbung für die Polio-Schluckimpfung z.B. und die Durchführung von Impfungen in der Schule durch die Gesundheitsämter hatten schon ihre Begründung

    Leider ist auch mein Umfeld voll mit …sagen wir mal… „Impfskeptikern“: vermeintlich kritisch-aufgeklärte Ökoeltern, mit Hang zum Geburtshaus und Homöopathie. Bei fast allen steht das unsägliche Buch des anthroposophischen Kinderarztes Martin Hirte („impfen pro und contra“) im Regal und sie sind so aufgeklärt und wissend dass sie selber entscheiden können, was und wann geimpft wird: Im ersten Lebensjahr am besten gar nicht, danach höchstens 4fach (Diphterie, Polio, Keuchhusten, Tetanus -> Hepatitis B ist ja so eine i-bäh-Krankheit, die bekommt doch ein gutes Kind nicht [Ironie off]), MMR frühestens zur Einschulung, am besten erst vor der Pubertät, denn Masern sind ja angeblich gut für die Persönlichkeitsentwicklung (Rudolf Steiner lässt grüßen) und angeblich erst nach der Pubertät gefährlich.

    Dagegen argumentieren? Vergeblich. Die Krankheiten sind ja heute angeblich so selten und die Impfung angeblich gefährlicher als die Krankheit (das durfte ich mir von einem Naturwissenschaftler anhören!), die Pharmaindustrie will nur unser Geld und man weiß ja auch, dass alles zwei Seiten hat und irgend woher müssen doch die vielen Allergien kommen…. Ich habe es aufgegeben, ich habe selber keine Kinder und damit wird mir dann ohnehin jede Berechtigung abgesprochen, mich einmischen zu dürfen.

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    1. Stichwort Hirte, da wird mir sofort wieder wärmer…
      Ist bekannt, dass „Bild der Wissenschaft“ im vorigen Jahr einen stark relativierenden Artikel unter dem Titel „Der Impf-Krieg“ veröffentlicht hat, der ausgerechnet Hirte eine Plattform für sein Gefasel von den „individuellen Impfentscheidungen“ und anderem Unsinn bot? Nun ist ja ein „relativierender“ Artikel auch immer ein Artikel, der Wasser auf die Mühlen der Impfgegner leitet. Alleine, dass das Vorhandensein eines „Impf-Krieges“ suggeriert wurde, habe ich massiv kritisiert.
      Die GWUP hat einen offenen Brief an die Redaktion geschrieben und auf der FB-Seite der Zeitschrift ging es richtig ab… Nicht nur da. Ich war da auch persönlich involviert.
      Ich hätte erwartet, dass nach dem Austausch der Standpunkte irgendein Korrektiv bei Bild der Wissenschaft dazu erschienen wäre. Fehlanzeige…

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      1. Es gibt ja leider bei vielen Medien die Vorstellung, eine ausgewogene Darstellung bestünde immer darin, verschiedene Positionen zu Wort kommen zu lassen. Bei politischen Themen ist das ja auch absolut berechtigt und auch wissenschaftliche Kontroversen sollten in meinen Augen unbedingt sichtbar werden. Nur sollte dann darauf geachtet werden, dass die vertretenen Positionen dann auch wissenschaftlich sind. In einer Debatte zu, sagen wir mal, Energieerzeugung will ich ja auch niemanden hören, der von freier Energie faselt.

        Der Hirte wird leider immer wieder hofiert und eingeladen, auch in Talkshows. Er ist ja auch durchaus eloquent, klingt bedächtig und seine Argumente sind scheinbar wohlüberlegt und gut begründet — gerade weil er eben von Impfungen nicht komplett abrät. Damit spricht er wahrscheinlich erheblich mehr Eltern an, als die ganz schrägen Verschwörungstheoretiker, denn das sind Leute, die auch den besagten Menschen in meinem Umfeld deutlich suspekt sind.

        Auch habe ich den Eindruck, dass sich Ärzte leider oft zu wenig Zeit nehmen (können), tatsächlich auf Ängste und Sorgen einzugehen oder z.B. genauer zu erklären, warum z.B. die modernen Mehrfachimpfstoffe es schaffen, gegen mehrere Krankheiten gleichzeitig zu immunisieren und trotzdem erheblich verträglicher sind, als viele der alten Einfachimpfstoffe.

        Diese Lücke wird dann von ‚alternativ’medizinisch orientierten Eltern und Hebammen aufgefangen, das Büchlein von Hirte wird empfohlen…
        „Pro und Contra“ — ich meine das klingt doch differenziert, da betrachtet jemand scheinbar beide Seiten einer Sache, es gibt ja auch so viel zu überlegen, wenn Kinder kommen (Familienbett? Tragen? Wie lange stillen? Wegwerfwindeln, Stoffwindeln oder windelfrei? Brei oder baby led weaning? Ab einem Jahr in die Krippe oder doch lieber länger daheim?…). Dass die Forschungslage beim Impfen da doch eine andere ist, wird irgendwie gerne übersehen.
        Und Hirte zitiert ja sogar wissenschaftliche Studien. Das in diesen Studien teilweise. das Gegenteil von dem steht, was er behauptet oder ein Teil seiner Quellen aus Aidsleugnern oder dem unsäglichen Buchwald bestehen, fällt auf den ersten Blick nicht auf. Ich habe mal überlegt ob ich mir das antue, ihn ausführlich zu widerlegen (mit einem naturwissenschaftlichen Studium bin ich zumindest einigermaßen in der Lage, medizinische Fachartikel zu verstehen und entsprechende Widersprüche zu entdecken). Aber wahrscheinlich wäre das vergebliche Arbeit, die die es angeht würden es eh nicht lesen.

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  8. Nachtrag zu Roald Dahl: Anscheinend gab es 1962 nur eine passive Immunisierung gegen Masern, die aber nur begrenzt verfügbar war. Der Impfstoff war in der Entwicklung, aber noch nicht zugelassen.

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  9. Ja, die vielleicht -oder wahrscheinlich- nachvollziehbare Skepsis aus den Anfängen der Flächenimpfung ist eine Sache – die heutige Impfgegnerszene eine andere. Sie verschmilzt ja nahezu nahtlos mit Themen wie Pharmabashing, Lob der Alternativmedizin, offener Wissenschaftsfeindlichkeit und dergleichen – kurz, sie reiht sich in die „Metaverschwörungstheorie“ ein, nach der wir alle benutzt, manipuliert, ausgerottet, zu Tode gebracht, gehirngewaschen und sonstwas werden. Dass die Grenzen der Sachthemen verschwimmen, scheint mir sehr typisch für den pseudokritischen Zeitgeist zu sein.

    An die Pockenimpfung erinnere ich mich gut, da war mir kleinem Kerl etwas mulmig… mit nem Federmesser in den Arm ritzen… Da gab es ja häufig nette Impfnarben, zweifellos. Aber wie ich schon schrieb – die Erleichterung, als es hieß, man habe eine Polioimpfung verfügbar für alle Kinder, die war damals riesengroß. Ich weiß auch noch, wie misstrauisch wir waren, ob denn ein nassgemachter Zuckerwürfel wirklich etwas nützen würde…

    Meine Oma hätte zur heutige Situation wohl gesagt: Den Leuten geht’s einfach zu gut.

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    1. Die Pockenimpfung gab ja nicht nur häßlich Narben, sondern hat ja tatsächlich vergleichsweise häufig zu — auch schweren — Schäden geführt. Das da Menschen skeptisch bis ängstlich waren, vor allem als die Pocken seltener wurden ist nachvollziehbar. Irgendwann fielen die Impfschäden eben stärker ins Gewicht, als die Todesfälle durch die Krankheit, das war ja auch bei der Polioschluckimpfung so (irgendwann gab es in der BRD fast nur noch Fälle von Impfpolio).

      Dennoch vermute ich, dass das Phänomen der Impfgegner sich gar nicht so gewandelt hat, denn auch die Milieus aus denen viele Impfgegner stammen sind gar nicht so neu — Anthroposophen haben sich von Anfang gegen Impfungen gewandt, auch die Lebensreformbewegung als Vorläufer der Ökologiebewegung war schon anfällig für ‚alternative‘ Medizin (neben vielen sicher sinnvollen Ansätzen für eine gesunde Lebensführung). Auch die Kritik an der Zerstörung der Lebensgrundlagen des Planeten kann leider in eine pauschale Ablehnung der Moderne bei Verklärung der „Natur“ umschlagen.

      Dazu kommt, dass auch grundsätzlich berechtigte Kritik an (Pharma-)Unternehmen wie z.B. zum Hang, unliebsame Ergebnisse lieber nicht zu veröffentlichen, zweifelhaften Medikamentenstudien in der 3. Welt oder auch der Tatsache, dass nur wenig Geld in die Entwicklung von Medikamenten für die Krankheiten der Armen fließt… oft vollkommen verkürzt und undifferenziert erfolgt. Dann wird den Unternehmen plötzlich das Böse schlechthin zugetraut (anstatt mal nüchtern durchzurechnen, was z.B. an Impfstoffen denn tatsächlich verdient wird oder was so eine Zulassungsstudie eigentlich kostet, das würde nämlich ein differenzierteres Bild ergeben und die Frage aufwerfen, was sich ändern könnte/müsste). Und dann stehen Tür und Tor offen für Verschwörungstheorien.

      Aber neu ist das nicht (denk mal an die Verschwörungstheorien zu AIDS…), es wird über Internet und soziale Medien nur sichtbarer. Man stößt schneller darauf und wer potentiell anfällig ist hat heute wesentlich höhere Chancen seine Ideen betätigt zu bekommen. Möglicherweise verknüpfen sich auch bestimmte Richtungen schneller und leichter miteinander als noch vor 30 Jahren und auch neue abstruse Ideen verbreiten sich wesentlich schneller.

      Und jetzt wieder konkret aufs Impfen bezogen: Ja, den Leuten geht es vielleicht wirklich zu gut. Man kann es heute unterlassen sein Kind zu Impfen und es kann gut sein, dass es kerngesund groß wird, teilweise ohne mehr als ein oder zwei impfpräventable Krankheiten zu bekommen — und das dann. als Beleg dafür zu sehen, dass ja nun wirklich übertrieben wird mit der Impfpropaganda.
      Und ich kenne tatsächlich drei junge Erwachsene, die nicht oder kaum von ihren Eltern geimpft wurden (und die die versäumten Impfungen inzwischen weitestgehend nachgeholt haben, aber das nur am Rande — immerhin ein kleiner persönlicher Erfolg), auch vor 20-25 Jahren gab es also offenbar gar nicht so wenige Impfgegner.

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