Nachtrag zu: Ich weiß es doch auch nicht…

So muss das. Der britische „Independent“ titelt heute:

Independent 2017-04-28

Hier geht es zum Online-Artikel.

Der Independent spricht es offen aus: Die derzeitigen Masernausbrüche in Italien und Rumänien – am Rande einer regelrechten Epidemie – sind fraglos zu einem erheblichen Teil den „Aktivitäten“ der „Impfskeptiker“ zu verdanken. Übrigens: Die Durchimpfungsrate in Deutschland ist nicht ausreichend. 

Aber ja, ich vergaß – Wakefield ist ja gar kein Impfgegner, nein, sein unsäglicher Film ja auch keineswegs gegen Impfungen…

Sorry.

 

Und das verdienstvolle Portal „Refutations to Anti-Vaccine Memes“ (zum Folgen auf Facebook sehr empfohlen) setzt noch einen drauf zum Independent-Artikel:

„Sick and dead children are your legacy Andrew Wakefield.“

So ist es.

Und in unserem schönen Land hier?

Öffentliche Meinung und Presse schlafen. Tief und fest. In Großbritannien erledigt allein der common sense im Verein mit der Presse die ganze Wakefield-Geschichte! Und hier müssen sich die Einzelnen, die gegen Wakefields miese Tour (haha, Wortspiel) angehen, als gewaltbereite Faschisten und Antidemokraten beschimpfen lassen.

Vielen Dank auch. Wir wissen es zu schätzen. Denn wir wissen, von wem es kommt.

 

 

4 Gedanken zu “Nachtrag zu: Ich weiß es doch auch nicht…

  1. Sehr geehrter Herr Endruscheit,

    Es ist zweifellos wissenschaftlich und empirisch belegt, dass wahre Herdenimmunität im Fall von Masern nur von natürlicher „Durchseuchung“ kommt und niemals durch Impfung erreicht werden kann aufgrund mangelhafter und nachlassender Impfimmunität. Dies wird zwangläufig zu einer weiteren, versteckten Anfälligkeit der Menschheit für Masernepidemien führen, wobei bei Säuglingen und Erwachsenen mit den grössten Komplikationen zu rechnen ist.

    The Re-Emergence of Measles in Developed Countries: Time to Develop the Next-Generation Measles Vaccines?
     http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3905323/

    Dann hier noch eine schöne Studie, die aufzeigt, dass die Masernimpfung zwar die Masern-induzierte Encephalitis bei Kindern gesenkt hat, jedoch dafür andere Pathogene bei Enzephaliden identifiziert wurden und dass die absolute Anzahl der aufgetretenen Fälle von Enzephalitis bei Kindern leider nicht gesenkt werden konnte.

    https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/?term=9243237

    Es macht daher gar keinen Sinn, sich dermassen auf die Masernimpfung zu versteifen, weil die Menschen so oder so krank werden. Wir sind nunmal keine Roboter, und das ist auch gut so!

    Freundliche Grüsse
    Stefanie Thormann

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    • Danke für den Kommentar, der aus meiner Sicht eine etwas ausführlichere Antwort verdient.

      Zunächst einmal fokussiere ich meine Kritik an den Impfgegnern vielleicht vordergründig auf die Masern – wegen des Bezugs zu Wakefields MMR-Geschichte und den aktuellen Hype um seinen Film. Aber die Kritik ist grundsätzlicher.
      Auch deshalb kann ich mich weder mit der in Ihrem Beitrag zum Ausdruck kommenden Relativerung des Problems noch mit der durchscheinenden Geringschätzung des Gesamtproblems „Impfen“ zufrieden geben.

      Zuallererst einmal sehe ich die Impfungen gegen ansteckende Infektionskrankheiten als „soziale Veranstaltung“, als im Grunde eine Pflicht eines sich als Solidargemeinschaft verstehenden Gemeinwesens, seine schwächeren Mitglieder mit allen zumutbaren und vernünftigen Mitteln zu schützen. Herdenschutz – das ist so leicht hingesagt. In erster Linie nützt der Herdenschutz aber denjenigen, die wegen ihrer individuellen Disposition -Krankheit, Alter, Immunschwäche wodurch auch immer- einer ganz unmittelbaren, direkten Bedrohung ausgesetzt sind, wenn sie nicht vom „Herdenschutz“ umgeben sind. Für diese Personengruppen geht es auch beileibe nicht um ein statistisches Risiko von Komplikationen oder Spätfolgen, sondern möglicherweise sehr unmittelbar um Leben und Tod. Der aktuelle Masern-Todesfall in der Schweiz ist ein himmelschreiend trauriger Beleg genau dafür. Es handelte sich hier nämlich um einen geimpften (!) Leukämie-Patienten, dem die Impfung aber wegen seiner Haupterkrankung nichts nützte und der von einem Ungeimpften angesteckt worden war.

      Zudem kann ich die Betrachtung der möglicherweise in der Gesamtzahl gleich gebliebenen Enzephalitiserkrankungen doch nicht als relativierendes Argument nehmen, um die Impfung als mehr oder weniger irrelevant hinzustellen! Zumal dieser winzige Ausschnitt aus dem Gesamtfeld noch von vielen anderen Dingen überlagert wird. Beispielsweise von der Schwächung der Immunabwehr durch eine Masernerkrankung, die möglicherweise eine Folgeinfektion massiv überschießen lässt. Letztlich auch von der Vermeidung unnötigen Krankheitsleids im Kindesalter. Ich habe selbst noch eine sehr heftige Masernerkrankung kurz vor meiner Einschulung mitgemacht, ich erinnere mich sehr gut daran, dass das alles andere als ein Spaß war. Ich lag nach meinem Empfinden unendlich lange in einem abgedunkelten Zimmer, außerstande, mir auch nur ein Bilderbuch anzuschauen. Ich wünsche das niemandem.

      Außerhalb der Masern beliebig fortführbar. Beispielsweise durch das Langzeitrisiko einer hohen Prävalenz für Gürtelrose (Herpes zoster) im Alter bei Windpockeninfektionen in der Kindheit. Beispielsweise durch die vermeidbaren Qualen, die ein Kind ohne jeden Zweifel bei einer massiven Keuchhusteninfektion durchmachen muss.

      Ja, und wenn es neue Enzephaliden gibt? Und dadurch die Masernimpfungen nicht zu einem absoluten Rückgang der Infektionen geführt haben? Dann wären doch logischerweise die Gesamtzahlen OHNE die Masernimmunisierungen noch weitaus höher! Was soll das denn für ein Argument sein?
      Was Ihre Anmerkung betrifft, eine Herdenimmunität bei den Masern sei nur durch „natürliche Durchseuchung“ zu erreichen – das ist nun aber eine sehr exzessive Auslegung der angeführten Studie. Das ergibt sich schon aus deren Titel: „The Re-Emergence of Measles in Developed Countries: Time to Develop the Next-Generation Measles Vaccines?“ Thema ist dort doch die oft unzureichende Immunantwort auf die klassische zweistufige Impfung, was kein unbekanntes Phänomen ist. Die gibt es immer. Aber auch und gerade diese Studie weist darauf hin, dass eine Durchimpfung von 95 Prozent der Bevölkerung bei Masern Voraussetzung für eine Eliminierung dieses Erregers ist. Dass dazu möglicherweise auch noch Varianten des Impfstoffes entwickelt werden müssen, ist Anliegen der Studie. Anliegen der Studie ist sicherlich nicht, eine lassez-faire-Haltung zur Masernimpfung zu propagieren. Ich bin sicher, dass die Autoren entsetzt über eine solche Ausdeutung wären.

      Ehrlich gesagt, ich bin es auch.

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      • Die Autoren benennen ja auch sehr klar, wer Schuld ist: „Socio-cultural limitations are also extremely important, and often either overlooked by the architects of elimination and eradication efforts, or unexpectedly arise due to temporal trends. Primary among these are that surprising numbers of otherwise well-educated people reject the vaccine due to safety fears—effectively diminishing its worth as a public health tool.“ Wobei das „well-educated“ mit Vorsicht zu genießen ist. 😉

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  2. @S.Thormann:
    Da verbreitet mal wieder jemand alternative Fakten! Und zwar „zweifellos“!
    Und was soll denn bitteschön eine „wahre Herdenimmunität“ sein?
    Selbstverständlich erreicht man eine ausreichende Herdenimmunität auch durch Impfungen. Wie erklärt sich denn sonst der rasche und komplette Rückgang der Maserninzidenz in Ländern mit flächendeckenden Masernimpfprogrammen in den letzten zwei Jahrzehnten (z.B. Südamerika/Lateinamerika)? Nachdenken hilft dabei.

    Bemerkung: Wahrscheinlich ist der Langzeitschutz nach einer Masernimpfung etwas(!) weniger langanhaltend. Es ist jedoch nicht klar, ob dies an einer fehlenden Boosterung durch im Umlauf befindliche Masernviren liegt. (Die fehlende Boosterung durch Masernviren ist jedoch kein Gegenargument, sondern ein zu erwartender Effekt bei einer beabsichtigten Ausrottung).
    Es ist aber irrelevant, ob ich nach einer Masernifektion vielleicht lebenslang immun bleibe oder nach einer zweimaligen Impfung „nur“ geschätzte 30+ Jahre immun bleibe, wenn es gelingen kann, in weniger als 10 Jahren den Masernvirus weltweit auszurotten.

    „Es macht daher gar keinen Sinn, sich dermassen auf die Masernimpfung zu versteifen, weil die Menschen so oder so krank werden.“
    Da bleibt mir die Spucke weg. Dieser Kommentar ist an Zynismus angesichts Hunderttausender Maserntoten nicht zu überbieten. Ich würde mich schämen, so etwas nur zu denken.

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